Poly-Kolumne Teil 5 – Wenn Polys sich trennen

Polyamore lieben mehr als einen Partner. Oder besser gesagt, sie behalten sich vor, mehr als einen Partner lieben zu können. Das führt hier und da zu seltsamen Begegnungen, für die weder der Knigge noch die lieben Eltern einen vernünftigen Rat anbieten können. In unserer Polykolumne berichten daher drei Polyamore anonym über ihre Erfahrungen und das Leben und Lieben mit mehr als zwei Beteiligten.

Phase 1

Ich bin eifersüchtig. Es trifft mich ganz plötzlich. Am Anfang war es schwierig, weil ich dich nicht einschätzen konnte. Wir waren uns einig, als wir uns kennenlernten: Wir sind beide überzeugt von Polyamorie als Beziehungsentwurf und wir werden es von Anfang an so leben. Das ist aber bis heute auch das einzige, in dem wir uns einig sind.

Ich lebe meine Polybeziehungen sehr verbindlich und konservativ. Es gibt keine Netzwerke, keine „montags der und freitags der andere“ Pläne. Du liebst das: Mit jedem Menschen Nähe ausprobieren, testen, mal schauen, was da so geht. Ich brauchte ein paar Monate, um das zu verstehen und dir zu vertrauen, auch wenn du dir die Dinge hier und da zurecht biegst, wenn es sein muss. Aber dann haben wir es irgendwie zusammen hingebogen und es war plötzlich ganz einfach. Ich hab dir die Verabredungen gegönnt – wirklich. Wenn ich das Glitzern in deinen Augen sah und es einer anderen Frau galt, habe ich das Feld geräumt und es hat mich nie geschmerzt. Wo kommt jetzt also diese Eifersucht plötzlich her?

(CC0) Joe Jansen/Unsplash.com

Phase 2

Ich sage, dass es mir weh tut, du sagst, dass das doch nicht deine Absicht sei und dann drehen wir uns im Kreis. Die Bahnen, die wir ziehen, hinterlassen langsam ihre Spuren. Manchmal weinen wir zusammen und halten einander im Arm. Manchmal ertrage ich dein Gesicht nicht. Manchmal ist mir übel vor angestauter Sorge und Wut. Manchmal frage ich mich, auf was ich werde verzichten müssen, um das hier noch rumzureißen. Manchmal will ich es gar nicht mehr rumreißen. Inzwischen ertrage ich es nicht mehr, wenn eine andere sich dazwischen schiebt. Ich halte dich auf Abstand. Sie nerven mich, weil ich in ihnen sehe, was dir an mir fehlt. Du scheinst es nicht zu bemerken. Sie sind nicht das Problem, sie sind das Symptom. Ich hatte immer die Gewissheit, dass du nie etwas tun würdest, das mich verletzt. Wir sind ein Team – gewesen.

(CC0) Filippo Ascione/Unsplash.com

Phase 3

Jetzt streiten wir. Ich weiß genau, dass du lügst. Du weißt es nur noch nicht. Oder vielleicht irre ich mich auch? Ich vertraue mir selbst nicht mehr. Auf jeden Fall ist es furchtbar anstrengend geworden. Die Kreise ziehen sich enger und wir haben trotzdem das Gefühl, dichtgedrängt in den Ecken zu stehen. Uns fehlen die Geduld und die Kraft und die Liebe. Das ist alles schon so lange her und vorbei. Wir haben uns entliebt und noch tut es weh. Aber der Zorn hilft – er lässt den Schmerz ganz organisch verschwinden, weil nichts sein kann, wo etwas anderes ist. Manchmal, da werden unsere Stimmen ganz weich, weil wir uns erinnern. Dann strecken wir vorsichtig die Hände nacheinander aus und berühren uns wortlos. Für einen kurzen Augenblick glauben wir, dass das alles vorüber gehen wird, obwohl wir es doch besser wissen. Ach ja, so war das, die Finger berühren sich, aber sie sind eiskalt. Wie konnten wir das vergessen? Heute Nacht schläft wohl jede*r allein – mit wem auch immer.

(CC0) Elisabetta Foco/Unsplash.com

Phase 4

Keiner fragt nach. Ist das bei dir auch so? Niemand will wissen, warum. Vielleicht denken sie, das konnte ja von Anfang an nicht funktionieren. Polyamorie – so ein Quatsch! Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis die Eifersucht sich dazwischen schiebt. Vielleicht denken sie, wir haben uns selbst ein Bein gestellt bei unserem waghalsigen Versuch. Ich weiß nicht, was du denkst, aber wir beide wissen, dass es nicht daran liegt. Wir waren verknallt und für einen kurzen Augenblick verliebt, aber wir waren eben nicht mehr. Manchmal ist das so – egal, wie oder wen man liebt.

 

Titelbild: (CCO) Nitish Meena/Unsplash.com

Merken

Octopolly
Octopolly ist ein Kollektivwesen, das mit drei Armpaaren über unterschiedliche Dinge aus dem bunten Spektrum von Poly-Beziehungen schreibt. Mit dem vierten isst es Kuchen.

Sharing is caring!

shares