Beziehungen erfolgreich aussortieren mit der KonMari-Methode

Beziehungen sind eine verflixt komplizierte Sache. Am Anfang fällt es dir leicht, sie aufzubauen, doch mit der Zeit erfordern sie immer mehr Pflege, Aufmerksamkeit und nicht zuletzt eine gute Portion Selbstaufgabe. Spätestens dann haben sie ganz offensichtlich ihr Haltbarkeitsdatum überschritten und gehören aussortiert – wenn das denn immer so einfach wäre.

Ich glaube daran, dass eine bewusst aussortierte Beziehung für alle Beteiligten besser ist, als eine qualvoll verendende, die wir widerwillig Jahr um Jahr weiterschleppen. Um es mit den Worten des großen Psychologen Dr. Phil zu sagen: Das einzige, das schlimmer ist, als eine schlechte Beziehung die 100 Tage anhält, ist eine schlechte Beziehung, die 101 Tage anhält.

(C) Memegenerator.net

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Doch wie sortiert man klug aus? Das ist eine Frage, die du dir jetzt sicher auch stellst. Die Argumente, die gegen das Aussortieren sprechen sind immer die gleichen:

 

„Wir kennen uns doch schon seit … Jahren.“

„Er/Sie ist wirklich ein guter Mensch.“

„Das kann ich ihm/ihr nicht antun.“

„Irgendwie kann ich mir ein Leben ohne sie/ihn nicht vorstellen.“

 

So kann das mit dem bewussten Aussortieren natürlich nichts werden! Klar, gibt es immer Gründe, die gegen ein Ende mit Schrecken sprechen, aber den Schrecken ohne Ende zu ertragen, ist nun wirklich keine sinnvolle Lösung. Es braucht also eine neue Verfahrensweise. Eine einfache Schritt für Schritt Methode, mit der du Beziehungen analysieren, auswerten und dich dann angemessen verabschieden kannst. Ein Glück, dass es diese Methode bereits gibt: KonMari.

Was ist KonMari?

KonMari ist eine Methode, die von Marie Kondo entwickelt wurde, um Menschen dabei zu helfen, ihre Wohnungen zu entrümpeln. In ihrem Buch 人生がときめく片づけの魔法 (Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert) erklärt die Aufräumexpertin, warum viele unserer Versuche unsere Wohnung in Ordnung zu halten, zwangsläufig scheitern müssen.

Ihre Theorie besagt, dass wir am falschen Ende anfangen. Wir räumen Krempel von einer Ecke in die andere und denken uns neue Ordnungssysteme und Verstaumethoden aus, anstatt uns der Tatsache zu stellen, dass wir einfach zu viel Krempel besitzen. Na, kommt dir das auch bekannt vor? Statt also den 10 Jahre alten, kaputten Game Boy immer wieder von A nach B nach C zu räumen, solltest du ihm einfach für die schöne Zeit danken und ihn dann den Müllmännern übergeben.

Ich glaube Maries Lektionen können dir nicht nur mit deinen Wohnräumen, sondern auch mit Beziehungen (ob Liebesbeziehung oder Freundschaft, ist dabei zweitrangig) helfen.

Does it spark joy?

Marie hat einen einfachen Grundsatz, wenn es um das Aufräumen geht: Bleiben darf nur ein Gegenstand, der Freude in dir auslöst. Indem du all die Dinge gehen lässt, die nicht auf Grund ihrer Existenz oder durch ihren Nutzen dein Leben bereichern, kannst du am Ende in einer Umgebung leben, in der du nur von Dingen umgeben bist, die du wirklich liebst.

Um herauszufinden, ob etwas dir gut tut, schlägt Marie vor, es in die Hände zu nehmen, zu ertasten und in dich hinein zu fühlen. Die Frage an das Objekt ist „Does it spark joy?“ – entzündet es den Funken des Glücks in dir?

Als Anwendung in Bezug auf Personen empfehle ich dir folgendes Vorgehen: Nimm für einen Monat jeden Menschen deines Netzwerkes fest in den Arm und spüre in dich hinein. Macht dieser Mensch dich glücklich? Fühlt sich die Umarmung warm und wohlig und ein bisschen wie heimkommen an? Dann behalte ihn in der Nähe! Bei dir regt sich gar nichts? Dann wird es vielleicht Zeit, auszusortieren und die sonntäglichen Treffen zum Squash oder Kaffeetrinken abzusagen. Wer spielt überhaupt Squash?

Verabschiede dich respektvoll

Aussortierte Dinge wandern zwar in den Müll, aber das müssen sie ja nicht wissen. Marie Kondo empfiehlt gegen die überbordenden Schuldgefühle, sich von den Dingen zu verabschieden. Das Buch, das du als Kind geliebt hast, war damals natürlich toll, aber jetzt willst du es eben nicht mehr lesen. Es hat seinen Zweck erfüllt: Lass es lieber in Würde gehen, als es in einer Ecke ungenutzt verstauben zu lassen. Respekt kann auch heißen, die Dinge loszulassen und sie einem neuen Ziel anzuvertrauen.

(C) Stocksnap.io

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Gleiches gilt natürlich auch für Menschen. Klar, du und deine beste Freundin habt euch auseinandergelebt, aber das heißt eben nicht, dass ihr NIE gute Freunde gewesen seid. Es bedeutet nur, dass ihr es jetzt nicht mehr für einander sein könnt. Sei dankbar, nimm Abschied und lass sie ziehen. Es wird euch beide zufriedener machen und Raum für neue spannende Menschen eröffnen.

Lebe im Hier und Jetzt

Eines der größten Probleme beim Aussortieren – und auch sonst in unserem Leben – ist laut Marie die fehlende Verbindung zum Hier und Jetzt. Viele leben entweder in der Vergangenheit („Damals war das der totale Renner!“) oder in der Zukunft („Eingetrocknete rote Lackfarbe kann ich doch sicher nochmal gebrauchen.“), anstatt realistisch zu analysieren, was JETZT gerade Phase ist.

Gib es zu: Genauso geht es dir auch mit Beziehungen. Du trennst dich nicht von deiner Freundin, weil ihr doch früher so ein tolles Paar gewesen seid. Oder du bleibst mit deinem Freund zusammen, weil er vielleicht deine letzte Chance ist, um doch noch eine Familie zu gründen. Hör auf mit dem Blödsinn! Was dir jetzt nicht gut tut, ist scheiße.

Klar, gibt es in jeder Beziehung Höhen und Tiefen, aber irgendwann kommt eben auch der Punkt, an dem du dir eingestehen musst, dass Erinnern und Hoffen keine adäquate Lösungsstrategie dafür sind, dass ihr einfach nicht glücklich miteinander seid. Und eines kann ich dir versprechen, glücklich zu sein macht deutlich mehr Spaß, als sich an Glück zu erinnern oder darauf zu hoffen.

Finde dein neues Ordnungssystem

Nachdem du alles aussortiert hast, wird es Zeit, mit den von dir geliebten Dingen noch einmal von vorn anzufangen. Befreit vom Ballast des Unrates, kannst du sie neu schätzen lernen, angemessene Plätze für sie finden und in einem ganz neuen Verhältnis zu ihnen leben.

(C) Pixabay.com

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Alte und verödete Beziehungen aufzugeben, heißt vor allem Platz für die Menschen in deinem Leben zu machen, die dir tatsächlich gut tun. Stell dir vor, wie viele tolle Abende du mit Freunden haben könntest, wenn du dich nicht jeden zweiten Abend mit deinem*r Partner*in um Blödsinn streiten würdest. Oder wie intensiv deine Freundschaft zu neuen Freunden werden kann, wenn du alte Freunde gehen lässt. Auszusortieren heißt nicht nur Menschen zu verlieren, sondern vor allem Raum für andere Menschen zu gewinnen – und natürlich auch für dich.

Aussortieren ist auch ein bisschen Therapie

Marie Kondo behauptet, dass viele ihrer Seminarteilnehmer*innen nach dem Ausmisten ihr komplettes Leben umschmeißen. Sie suchen sich neue Jobs, starten kreative Projekte und entdecken längst vergessene oder nie gekannte Seiten an sich.

Ich bin davon überzeugt, dass auch die Befreiung alter Bindungen dich erneuert. Du sagst damit nicht nur der Person auf Wiedersehen, sondern auch dem „Ich“, das du in ihrer Gegenwart gewesen bist. So, wie du dein Kinder-Ich im Haus deiner Eltern zurückgelassen hast, als du in deine erste eigene Wohnung gezogen bist (und es doch immer wieder annimmst, wenn du auf Heimatbesuch bist). Loslassen heißt auch, eigene Teile verabschieden und sich neu erschaffen.

Und gibt es etwas aufregenderes, als die Aussicht, dich selbst immer wieder neu kennenzulernen? Also trau dich und sortiere deine Beziehungen aus – mit der KonMari-Methode!

Titelbild: (CCO) Toa Heftiba/Unsplash.com

Anna Christin Koch
Anna behauptet eine super Einstiegsfeministin zu sein. Außerdem weiß sie erstaunlich viel über die Herstellung perfekter, veganer Cupcakes und darüber, wie man gute Pornos findet.

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